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Das Wort zum Sonntag: Karl-Heinz Müller zu Entwicklungen in der Deutschen Modebranche

Posted: Dezember 8th, 2013 | Author: | Filed under: Fashion für Muttis, Lifestyle | Tags: , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Das Wort zum Sonntag: Karl-Heinz Müller zu Entwicklungen in der Deutschen Modebranche

Kürzlich bekam ich einen Newsletter vom Modeportal 1st-blue.de mit einem Statement von Bread & Butter Gründer und Macher Karl-Heinz Müller, der in Berlin übrigens auch die beiden 14 oz Stores managed. Ich habe es mit großem Interesse gelesen, war ich doch selbst 2001 auf der Premiere der Bread & Butter mit dabei für meinen ersten PR-Job frisch nach dem endlich abgeschlossenen BWL-Studium. Mittlerweile hat sich viel getan in Berlin und ich gebe zu, dass auch ich während der beiden vergangenen Fashion Weeks im Januar und im Juli 2013 den Überblick über die Messen, die Showrooms und das dazugehörige Rahmenprogramm verloren habe. Ich kann mir vorstellen, dass es die ein oder andere Leserin von Stylepuppe.com auch spannend findet, was der Großmeister des deutschen Modebusiness zur Entwicklung der Bread & Butter und zur Modebranche in Deutschland zu sagen hat? Und das erfreulichste ist, die Bread & Butter wird im Juli 2014 ihre Türen auch für Endkonsumenten öffnen. FASHION WEEK FÜR ALLE!

It’s time for a change! Seit der Gründung der BREAD & BUTTER im Jahr 2001 in Köln haben wir die Branche bewegt. Nach nur drei kleineren Veranstaltungen in Köln sind wir seinerzeit nach Berlin umgezogen. Zu jener Zeit gab es viele kritische Stimmen, hauptsächlich aus dem textilen Establishment, ob denn Berlin der richtige Ort für eine Fashion-Leitmesse sein könnte.Wir haben weder Statistiken noch Kaufkraftanalysen bemüht. Wir haben uns an den Soft Facts orientiert. Berlin war kreativ, im Aufbruch begriffen, die Kunstszene hatte sich bereits in Berlin etabliert. Die Berliner Nightlife Culture ist bis heute weltweit unerreicht. Das waren unsere Argumente. Das hat viele überzeugt. Unser gemeinsamer Erfolg hat uns Recht gegeben.

Aufgrund der mangelnden Infrastruktur rund um unsere damalige Veranstaltungslokalität im Kabelwerk in Berlin-Spandau haben wir uns seinerzeit entschlossen, nach Barcelona umzuziehen. Auch in Barcelona konnten wir alle zusammen große Erfolge verbuchen. Das wird noch vielen in positiver Erinnerung sein.

Dennoch war der Wunsch vieler Aussteller und Fachbesucher unüberhörbar, viele wollten wieder zurück nach Berlin. Im Jahr 2009 war es dann soweit. Wir hatten die einmalige Chance den stillgelegten, historischen Flughafen Berlin-Tempelhof langfristig zu nutzen. Daraufhin haben wir einen 10-Jahresvertrag, plus einer weiteren 10-jährigen Option mit dem Land Berlin abgeschlossen.

Im Januar 2014 findet nun die 10. saisonale Veranstaltung dort statt. Insgesamt ist es nun schon die 30. BREAD & BUTTER – tradeshow for selected brands, bedingt durch die Doppelveranstaltungen in Barcelona und Berlin.

Seit unserer Rückkehr hat sich eine regelrechte Goldgräberstimmung hier in Berlin breit gemacht. Es sind viele neue Messen und kleinere Veranstaltungen entstanden. Letztlich hat auch die IGEDO, die ehemals große Düsseldorfer Leitmesse, die Notwendigkeit gesehen, hier in Berlin zu veranstalten. Damit ist auch das textile Establishment in Berlin angekommen.

Dieser Entwicklung stehe ich sehr kritisch gegenüber. Obwohl ich mich nach wie vor und mehr denn je zu Berlin bekenne, sehe ich die Gefahr, dass Berlin beliebig wird. Es ist ja nunmal sehr einfach, irgendwo eine Halle zu mieten und eine neue „Messe“ zu machen. Die großen Messen, allen voran die BREAD & BUTTER, sorgen ja schon dafür, dass die Fachbesucher kommen.

Dabei fischt jeder im gleichen Teich. Kaum jemand hat ein klares Profil. Jeder spricht jeden an. Letztlich hat sich auch noch die Messe Berlin über einen Veranstalter am neuen, noch nicht eröffneten Flughafen BER mit den Möglichkeiten der öffentlichen Hand ins Messegeschehen eingemischt.

In Berlin hat ein ruinöser Wettbewerb begonnen. Wir alle wissen, was es bedeutet, wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt. Übrig bleiben die Aussteller und die Fachbesucher, die nicht mehr wissen, wo sie hin sollen bzw. müssen. Berlin ist insbesondere für ausländische Besucher unübersichtlich geworden.

Dabei und zudem hat sich der gesamte Markt, insbesondere in den letzten Jahren, massiv verändert. Die vertikalen Anbieter wie H&M, Inditex, Uniqlo, Topshop etc. expandieren nicht nur weiter sehr stark. Mittlerweile kommen diese Anbieter mit diversen Konzepten an den Markt, wie das Beispiel H&M (COS, Monki, Weekday, & Other Stories) zeigt. Die Schnelligkeit und die modische Aussage wird von den Endverbrauchern stark angenommen.

Aber auch die großen und bedeutenden Marken gehen immer mehr den vertikalen Weg. Es entstehen immer mehr „Biotope“ durch Monolabel-Stores in den Innenstädten in Europa. Nicht immer sind diese Mono-Stores erfolgreich, aber durch die zusätzlich erzielte Marge haben die Marken einen klaren Vorteil gegenüber dem klassischen Einzelhändler.

Das nächste Phänomen ist die rasante Entwicklung des Online-Handels, einerseits durch starke Online-Händler wie ASOS und Zalando, aber auch mytheresa, Stylebob, Net a Porter und Mister Freedom, andererseits durch die eigenen Online-Stores der Marken. Der textile Einzelhändler wird vielerorts zur „Probierstube“ des Online-Kunden. Das alles macht dem stationären Einzelhandel das Leben nicht unbedingt einfacher.

Die Tatsache, dass viele Marken am klassischen Wholesale-Business immer weniger Interesse zeigen, erlebe ich in vielen Gesprächen mit unseren Ausstellern bzw. mit jenen, die in den letzten Saisons von einer Teilnahme an einer der großen Messen, nicht nur in Deutschland, Abstand genommen haben.

Selbstverständlich bieten diese massiven Veränderungen Chancen und Risiken. Der Einzelhändler ist gezwungen, sich zu profilieren durch das Sortiment, durch verstärkten Service bzw. er kann auch einen eigenen Online-Store eröffnen etc. pp. Tatsache aber ist und bleibt, dass nur der klassische Modefachhandel in der Lage ist, eine Marke oder ein Label im Markt zu etablieren und zu festigen. Die Marken brauchen deshalb auch in Zukunft den stationären, ambitonierten Einzelhändler. Und auch der Fachhandel braucht weiterhin abverkaufsstarke Marken im Sortiment, um seine Kosten zu decken. Nur so ist der Händler noch in der Lage, modische Experimente einzugehen.

Mein Fazit ist, wir befinden uns mitten in einem eindeutigen Strukturwandel, dem auch wir uns nicht verschließen können und wollen. Die Zeiten haben sich massiv verändert. Die BREAD & BUTTER als Leitmesse für kontemporäre Modekultur muss die entsprechenden Antworten parat haben. Heute genügt ein Ortswechsel nicht mehr, wie er von vielen Ausstellern gefordert wird. Immer wieder kursiert das Gerücht, die BREAD & BUTTER würde nach Istanbul umziehen. Das haben wir nicht vor. Deutschland, als starker Heimmarkt, hat für unsere Aussteller eindeutige Vorteile.

Wir haben in der letzten Dekade die Branche nicht nur bewegt, wie haben sie, zusammen mit unseren Ausstellern und unseren Fachbesuchern, sehr stark beeinflusst, vielleicht sogar geführt. Das soll so bleiben.

Unsere Aussteller erwarten von der BREAD & BUTTER eine Antwort auf die Herausforderungen, die vor uns allen liegen. Eine Antwort, die allen Marktteilnehmern gerecht wird.

Wir haben uns dazu entschlossen, den wichtigsten Marktteilnehmer am Ende der Kette mit einzubeziehen, nämlich den Endverbraucher. Der Endverbraucher ist durch die neuen Medien besser informiert als je zuvor. Der gesamte Markt ist sehr viel mehr vom positiven Image, das der Endverbraucher prägt, abhängig, dabei sind die Informationsquellen sehr vielfältig geworden. Eine Anzeige in einem Hochglanzmagazin genügt nicht mehr allein. Ich glaube, dass ich zurecht von einem Endverbrauchermarkt spreche. Der Endverbraucher bestimmt heute mehr denn je was er, wann, wie und wo kauft.

Wir wissen sehr genau, dass das keine leichte Aufgabe sein wird. Wir rechnen mit starkem Gegenwind wie damals, als wir von Köln nach Berlin gezogen sind. Der Pionier hat es immer schwerer als diejenigen, die sich ins gemachte Nest setzen. Ich möchte aber deutlich machen und klar sagen, dass wir auch weiterhin die Interessen des Fachhandels im Fokus haben werden.

Nach vielen Gesprächen in den letzten Wochen und Monaten ist der Gedanke mehr und mehr gereift, dass die Zeit gekommen ist, in der wir etwas verändern müssen und das nicht nur im eigenen Interesse, sondern auch im Interesse der gesamten Branche. Die BREAD & BUTTER wird sich ab Juli 2014 neu aufstellen. Wir werden ein neues Kapitel aufschlagen.“


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